Montag, 11. August 2014

"Böses" Amazon....oder warum ich die kleinen Buchhändler nicht rette...

Ich möchte hier noch einmal einen Schwank aus meiner Jugend zum besten geben.

In dem Ort in dem ich aufwuchs gab es keinen Buchhändler. Und für ein Mädchen, das Bücher über alles liebte, war das Leben damit nicht einfach. Es gab einen kleinen Schreibwarenladen, der hatte schon mal das eine oder andere Buch. In die nächst größere Stadt fuhren wir nur zweimal im Jahr zum Einkauf von Kleidung. Erst als ich in der 7 oder 8 Klasse war, eröffnete dank engagierter Lehrer bei uns eine kleine Schulbibliothek mit gebrauchten Büchern.  Einmal in der Woche geöffnet, eigentlich nur ein Buchregal in einem Klassenraum. Genug für eine Hauptschule, was sollen Hauptschüler mit Büchern? So schien damals zumindest die vorherrschende Meinung von der Schulaufsicht zu sein.  Ansonsten musste ich mit dem vorlieb nehmen, was mir meine diversen Cousins und Cousinen, Onkel und Tanten hinterließen.

Das führte dazu, das ich wirklich alles las. Mit 12 Jahren Georg Orwell, was mir Alpträume bescherte. Oder Günter Amendt, was mich nur verwirrte. Dafür las ich mit 13 Jahren Goethes Faust, den ich wirklich liebe.

Dieser Zugang zur Kultur blieb für mich auf Jahre hinweg versperrt. Es wurde ein wenig besser, als ich mit 18 Jahren eine Ausbildung in der nächst gelegenen Stadt begann. Dort gab es zumindest einige Buchhändler, die eine größere Auswahl erschlossen. Allerdings keine großen Ketten, wie es heute üblich ist. Es gab sogar einen Laden für gebrauchte Bücher, Zeitschriften und Comics. Den ich wirklich sehr vermisse. Trotzdem war es schwierig an bestimmte Bücher dran zu kommen. Ich erinnere mich dran, das ich als junge Frau eine Vorliebe für Anne Rice hatte. Wenn ich im Buchhandel danach fragte, wurde ich oftmals nur abgekanzelt. Anne Rice? Ist uns nicht bekannt! Bestellen? Können wir nicht! Tja, damals hatten die paar Buchhändler in der Stadt eben noch das Monopol und die Nase ganz weit oben.

Einen Internetanschluss habe ich erst seit 1998, damals war ich bereits  26 Jahre alt. Eine neue Welt eröffnete sich mir!

Nun lebe ich in einem Ort, in dem es einen kleinen Buchhandel gibt. Aber ich nutze ihn nicht. Ich empfinde keinerlei Solidarität mit dem Buchhandel vor Ort.

Mir geht es schon auf die Nerven, das man nicht ungestört stöbern kann ohne "zwangsberaten" zu werden. Und zu den Preisen? Ich kaufe meistens ÜBER Amazon. Bei den Marketplacehändlern gebrauchte Bücher. Dafür zahle ich dann zwischen 3-4 €. Genug für ein Taschenbuch. Ich muss für mein Geld arbeiten, Preise für neue Bücher über 10 € empfinde ich als wahnsinnig teuer.  Und wenn ich es ausgelesen habe, werde ich es sowieso nicht mehr los. Meistens verschenke ich Bücher oder stelle sie in unsere "Give-Box". Außerdem habe ich die Auswahl, kann wirklich alles kaufen, was ICH möchte. Und nicht das, was gerade in einem Laden steht. Praktisch.

Nein, ich mag Monopolisten auch nicht. Ich bestelle auch nicht nur bei Amazon meine Bücher. Manchmal bekomme ich sie auch über ebay oder ebook.de. Ich habe auch einen E-Book-Reader, aber es ist kein Kindle. Ich nutze auch sehr gerne die Bibliothek Gutenberg.

Nur dieses verteufeln in den Medien und bei jedem Stammtischgespräch habe ich so satt! Für mich ist das online kaufen von Büchern ein Segen.  Ich erhielt damit Zugang zur Kultur, was auf dem Land früher nicht möglich war. So viel besser als in der "guten alten Zeit". Ich wünsche mir diese Zeiten nicht mehr zurück.

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