Freitag, 18. April 2014

Zu Ostern....



Eins ging gar nicht zu Ostern, als ich ein Kind war. Draußen auf der Leine Wäsche aufzuhängen. Staubsaugen war auch nicht drin, besonders in Mietwohnungen. Natürlich gab es auch außerhalb von Ostern Freitags immer Fisch. Dabei waren meine Eltern, im Gegensatz zum restlichen Dorf, nicht katholisch.

Trotzdem hielten sie sich an die "Regeln". Das machten ja alle damals.

Wobei es schon ein starkes Stück war, nicht der katholischen Kirche anzugehören. Besonders, da wir noch nicht einmal evangelisch waren. Die Lutheraner bildeten zwar eine wirklich winzige Minderheit, aber es waren wenigstens noch Christen. Wir waren...nichts. Besonders in der Schule fiel ich damit immer unangenehm auf. Morgens betete ich nicht, den Religionsunterrichte besuchte ich nicht. Mißträuisch beugt  fragten mich meine Mitschüler: "Wenn Du nicht katholisch oder evangelisch bist, was bist Du dann?"
„Ich bin Nichts“ , war dann auch meine Antwort.

„Du kannst nicht Nichts sein“, kam es klugscheisserisch von den anderen Kindern zurück.

„Nein, ich bin nichts.“ Als kleiner Dickkopf beharrte ich auf meinen Standpunkt.

„Dann bist du ein Heide!“

Problem gelöst. Eine Mutter verbot nach einem solchen Gespräch ihren Kindern mit mir zu spielen. Wahrscheinlich dachte sie, es wäre ansteckend. Bis zum Ende meiner Schulzeit blieb ich also ein Heide.
Ca. 25 Jahre später saß ich im Büro, als mich meine junge Kollegin fragte: „Was hast du eigentlich für eine Konfession?“


„Ich bin Atheist“, antwortete ich stolz.


Endlich nach zwanzig Jahren fand ich den Namen, für das woran ich glaubte. Oder eher nicht glaubte.

„Ah, dann bist du ein Heide.“

Ich schlug ganz ganz langsam mit meinen Kopf auf die Tischplatte.

Auch wenn bereits Moslems und Co. hier auf dem Land anerkannt werden, so richtig viel hat sich noch nicht geändert....





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