Sonntag, 1. April 2012

Fast überall ist Niederrhein: Die Heiden von Kummerow

Bevor es jetzt massenhaft Proteste hagelt: Natürlich weiß ich, dass Kummerow in Ostdeutschland liegt, nicht am Niederrhein.

Und was hat es dann mit dem Niederrhein zu tun? Die Schilderung der Landschaft, des Dorfes hinterm Bruch, lassen mich stark an meine Heimat denken. Jedenfalls wie es vor 100 Jahren ausgesehen haben muss. Auch die Art wie die Leute leben, erinnert mich an meine Urgroßmutter und ihre Schilderungen. Ich bin ja auch auf einem kleinen Hof groß geworden und bei dem Buch werde ich einfach sentimental. 

Das Buch ist in einem humorvollen, leicht zu lesenden Tonfall geschrieben. Es zieht einen in die Welt des Dorflebens um 1900  förmlich hinein. Dabei geht es auch um Schattenseiten des damaligen Alltags wie sozialer Ungerechtigkeit oder Ungleichheit. Allerdings wird es nie Oberlehrerhaft. Das Buch ist teilweise autobiographisch, was die Herzenswäme erklärt mit der Ehm Welk über seine Familie und Schulfreunde schreibt. Dabei ist die Handlung zu 2/3 auf einen einzigen Tag im Leben des jungen Martin Grambauer begrenzt.

Es ist mein absolutes Lieblingsbuch. Seit meiner Jugend lese ich es fast jedes Jahr. Aber es ist kein reines Jugendbuch, obwohl es von einem Jungen handelt. ( Diese Schlussfolgerung finde ich mehr als seltsam, wenn ich ehrlich bin. Einteilung Jugend oder Erwachsenenbuch nach Auftreten der Protagonisten).

In der ehemaligen DDR war es ein Bestseller. Und genau darin liegt wohl das Problem des Buches: a) Was aus der DDR kommt, kann aus Prinzip nichts sein. b) Ehm Welk war auch noch bekennender Sozialist. 

Dieses Vorurteile sollte man zur Seite schieben. In dem Buch wird keine Art von politischer Gesinnung gepredigt. Nur die Sehnsucht nach einer Verbesserung der Lebensumstände spürt man. Und das ist meiner Meinung nach legitim.

Noch ein Nachtrag: Besser nicht den Film ansehen. Der hat mit dem Buch nicht mehr viel zu tun. 


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