Sonntag, 19. Februar 2012

Zum Tulpensonntag:"Mit der Pappnase geboren"

Ich wohne im Land des Karnevals. Und das Karneval-Gen wurde mir vererbt. Bin sozusagen mit der Papp-Nase auf die Welt gekommen. Das macht sich immer ganz ulkig bemerkbar: Sobald ich Karnevalsschlager höre, fange ich an zu schunkeln. Mein Mann ist noch schlimmer: Der singt auch noch mit.






Bei uns ist Karneval eine große Sache. Und es ist auch mehr, als das was in anderen Teilen der Republik für Karneval gehalten wird. Es ist Gemeinschaft. Bei den Sitzungen der kleinen Vereine wird alles ehrenamtlich gestemmt. Da steckt viel Arbeit hinter. Das Prinzenpaar mit Gefolge geht in die Seniorenheime oder Krankenhäuser. Es gibt Veranstaltungen, da wird kein Eintritt oder nur wenig verlangt. Konzerte, Theater, Museen und Zoos sind in den letzten Jahren unglaublich teuer geworden. Eintritte von 20 € + pro Person keine Seltenheit mehr. Welcher Rentner oder Hartz IV Empfänger kann sich das noch leisten? Der Dorfkarneval ist da noch anders. Liebevoll gestaltete Unterhaltung, an die jeder teilnehmen kann. Klar, auf die Höhner oder Bläck Fööss muss man dabei verzichten. Obwohl ich habe letztere auch schon auf Dorffesten gehört. Aber das ist ein anderes Thema....

Ich liebe den Straßenkarneval auf dem Dorf. Dort kenne ich jeden. Alle Häuser die an der Zugstrecke liegen, machen etwas. Die Leute bauen ihren Grill auf, stellen ein Fässchen Bier hin und laden ein. Man besucht sich. Daraus entstehen ganz paradoxe Geschichten: Das kleinste Dörfchen hier in der Gegend hat den längsten Zug. Von Haus zu Haus geht es, überall wird stehen geblieben, gequascht, was gegessen. Es ist schon irgendwie lustig.

Niederkrüchten hat den größten Zug von allen Dörfern hier in der näheren Umgebung. Nur Viersen, als Kreishauptstadt ist größer. In Niederkrüchten beteiligen sich alle Nachbardörfer am Zug. Unglaublich wieviele Menschen in so einem kleinen Ort reinpassen. Das macht richtig Spaß! Und was da alles geworfen wird! Kartoffel und Gemüse von den Bauern! Mehl Pakete der örtlichen Bäckerei! Saatgut von der Gärtnerei. Letztes Jahr musste ich nach dem Zug eine Woche lang nicht mehr einkaufen gehen. War schon witzig.

Saufen ist natürlich ein Problem, gerade bei Jugendlichen. Da müsste auch mehr getan werden. Aber nicht nur im Karneval. Bei unserem Pfingstfest sieht es noch schlimmer aus.

Ich höre immer wieder dieses seltsame Argumente: Man müsste beim Karneval „heute fröhlich sein". Meiner Meinung nach ist das ein blödes Argument, dass doch auf jedes Fest zutrifft. Silvester oder Geburtstage werden doch auch immer auf einen bestimmten Tag gefeiert. Habe noch nicht von jemanden gehört, der Silvester im Juni feiert, nur weil dann es vom Wetter besser paßt. Außerdem ist es kein Zwang. Man muss nicht mitmachen. Ist keiner bös drum.

Was mich einfach stört, ist diese Feindseligkeit die einen entgegenschlägt, wenn man sagt, das man Karneval mag. Dann werden immer selbstgerechte Reden geschwungen, warum Karneval doof ist. Mir tut das dann in der Seele weh, wenn ich an die viele Arbeit oder Engagement denke, die unsere Vereine da hinein stecken. Gerade hier auf dem Dorf, wo ansonsten nicht viel geboten wird.Wie gesagt, keiner muss meinen Geschmack teilen. Keiner muss mitmachen. Aber ich möchte auch nicht als Voll-Depp oder Säufer (ich trinke im Karneval gar nichts) hingestellt werden.


Für mich ist Karneval auch ein Stückchen Heimat.
In diesem Sinne: Maak möt!

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